Ruhrtaler Whisky aus der Privatbrennerei Sonnenschein
Ruhrtaler ist der Single Malt Whisky der Privatbrennerei Sonnenschein in Witten, gebrannt 1989/90 aus schottischem Malz und von Rainer Mönks aus eigenen Fässern abgefüllt. Ein seltenes Stück deutscher Whiskygeschichte. Die Brennerei ist 2025 erloschen, die Abfüllung ist limitiert.
Ruhrtaler ist die Whiskymarke von Rainer Mönks, welcher die 1875 gegründete Privatbrennerei Sonnenschein in Witten an der Ruhr in vierter Generation führte. Der Single Malt stammt aus Fässern, welche er sich persönlich zurückgelegt hatte, und wurde erst gut drei Jahrzehnte nach dem Brand gefüllt.
Eine Brennerei mitten im Ruhrgebiet
Dass eine der traditionsreichsten Brennereien Nordrhein-Westfalens ausgerechnet in Witten steht, überrascht bis heute viele.
Richard Sonnenschein gründete den Betrieb 1875 in Witten, die Wurzeln der Brennkunst an diesem Ort reichen aber noch weiter zurück, bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts. Über die Jahrzehnte entstanden hier Korn, Obstbrände, Liköre und der bekannte Herbeder Tropfen.
Rainer Mönks übernahm in vierter Familiengeneration und stand mehr als vier Jahrzehnte an der Spitze des Hauses, bevor er den Betrieb 2016 verkaufte. Sein Name steht bis heute für die Whiskys, welche in Witten entstanden sind.
In den besten Jahren führte das Haus rund tausend Artikel, vom Weinregal über Öle bis zu Bränden, Likören und Wodka, dazu Seminare und Verkostungen. Eine Brennerei mit Ladentheke also, wie es sie im Ruhrgebiet einmal in jeder größeren Stadt gab.
Das historische Gebäude von 1828 steht bis heute und gehört zur Route der Industriekultur, auch wenn dort längst gewohnt statt gebrannt wird. Wer in Witten an der Ruhr entlanggeht, läuft daran vorbei, ohne zu ahnen, dass hier einer der frühesten deutschen Single Malts entstanden ist. Ähnlich handwerklich, aber bis heute aktiv arbeitet die Feinbrennerei Sasse im Münsterland.
Was Single Malt eigentlich verlangt
Single Malt heißt: ein Destillat aus gemälzter Gerste, gebrannt in einer einzigen Brennerei, ohne Verschnitt mit fremdem Alkohol.
Das klingt einfach, verlangt aber Geduld, denn erst das Fass macht aus dem klaren Rohbrand einen Whisky. Zwei bis drei Jahre gelten als Untergrenze, alles darüber ist eine Entscheidung gegen den schnellen Umsatz. Zwanzig Jahre sind selbst in Schottland eine Ansage, in Deutschland waren sie um 1990 praktisch unbekannt.
Dazu kommt der Schwund: Jahr für Jahr verdunstet ein Teil des Fassinhalts, in Schottland Angels' Share genannt. Nach zwei Jahrzehnten fehlt so ein erheblicher Anteil der ursprünglichen Menge, und genau deshalb sind alte Abfüllungen selten und teuer. Wer sie trotzdem macht, tut es aus Überzeugung.
Auch der Alkoholgehalt sinkt über die Jahre im Fass, weshalb ein alter Whisky oft näher an der Trinkstärke liegt als ein junger. Die 41 Prozent Alkohol des Ruhrtaler sind deshalb kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Folge der langen Reife, und sie machen ihn von der ersten Sekunde an zugänglich.
Schottisches Malz an der Ruhr
Im Herbst 1988 wurde in Witten erstmals gemälzte Gerste aus Inverness angeliefert, und damit begann eine für Deutschland frühe Geschichte.
Single Malt aus deutscher Produktion war damals eine Seltenheit, das Wort deutscher Whisky löste eher Stirnrunzeln als Neugier aus. In Witten wurde trotzdem nach schottischem Vorbild gebrannt, und der frische Brand ging in Eichenfässer, wo er zwei Jahrzehnte blieb.
Die Lage direkt am Ruhrufer half dabei, denn Feuchtigkeit und milde Temperaturen sorgen für eine gleichmäßige, langsame Reife. Je ruhiger ein Fass liegt, desto weicher wird am Ende das Destillat, und genau das schmeckt man dem Ruhrtaler an.
Der Zeitpunkt war früh: Als in Witten das erste Malz ankam, ließ sich die Zahl der deutschen Single-Malt-Brennereien an zwei Händen abzählen. Die große Welle deutscher Whiskys kam erst zwei Jahrzehnte später, und viele der heute bekannten Namen gab es damals noch nicht.
Ein Fass für sich selbst zurückgelegt
Wer lange brennt, behält meistens etwas zurück, und Rainer Mönks machte da keine Ausnahme.
Ein paar Fässer der Jahrgänge 1989 und 1990 blieben liegen, ohne Verkaufsplan, einfach weil er wissen wollte, was daraus wird. Als er sich Jahre später in den Ruhestand verabschiedete, war das Ergebnis zu gut, um es im Keller zu lassen.
So kam der Ruhrtaler Single Malt Whisky 20 Jahre mit 41 Prozent Alkohol doch noch in die Flasche, gereift in Ex-Bourbon-Fässern mit einem Finish in Oloroso-Sherry-Fässern, weder gefärbt noch kalt filtriert. Sahnebonbon, Aprikose, Toffee und ganz zum Schluss ein Anflug von Torf.
Das Oloroso-Fass ist dabei der entscheidende Kniff. Es war zuvor jahrelang mit Sherry gefüllt, sein Holz also getränkt, und gibt genau diese dunkle Süße an den Whisky zurück. Ein frisches, leeres Fass könnte das nicht leisten, deshalb sind gute gebrauchte Fässer unter Brennern begehrte Ware.
Auf Färbung mit Zuckerkulör und auf Kaltfiltrierung wurde verzichtet, was bedeutet, dass die Farbe allein aus dem Holz stammt und die Aromastoffe vollständig in der Flasche bleiben. Der Whisky darf sich dafür bei Kälte leicht eintrüben, und das ist kein Fehler, sondern ein gutes Zeichen.
Was bleibt, wenn eine Brennerei schließt
Im Jahr 2025 ist die Privatbrennerei Sonnenschein erloschen, 150 Jahre nach ihrer Gründung.
Damit endet eine lange Geschichte, und was heute noch im Regal steht, wird nicht nachproduziert. Rezeptur und Marke des Herbeder Tropfens gingen an ein anderes Haus, der Whisky aus den alten Fässern bleibt, was er ist: ein abgeschlossener Bestand.
Für Sammler ist das ein Grund, jetzt zuzugreifen, für alle anderen einfach ein guter Whisky mit Geschichte. Wir führen ihn, solange die Kisten reichen.
Solche Bestände haben eine eigene Ruhe. Es gibt keinen neuen Jahrgang, auf welchen man warten könnte, keine Nachfolge-Edition, keine Preisliste für das nächste Jahr. Was da ist, ist da, und danach steht die Flasche nur noch in Sammlungen und Erinnerungen.
Der stille Abend im bauchigen Glas
Am schönsten trinkt sich der Ruhrtaler pur bei Zimmertemperatur, ohne Wasser und ohne Eis.
Zwei Zentiliter ins bauchige Glas, ein paar Minuten Geduld, dann kommen Sahne und Aprikose nach vorn. Dazu passen dunkle Schokolade, geröstete Walnüsse oder ein Stück gereifter Hartkäse, mehr braucht es nicht.
Wer mag, stellt ein Glas Wasser daneben, nicht zum Verdünnen, sondern zum Nachspülen zwischen den Schlucken. So bleibt die Zunge aufnahmefähig, und der zweite Schluck schmeckt so klar wie der erste. Eile lohnt bei diesem Whisky ohnehin nicht, er hat schließlich lange genug gewartet.
Als Geschenk für Menschen aus dem Ruhrgebiet ist diese Flasche ohnehin gesetzt, denn deutsche Whiskygeschichte aus der eigenen Stadt bekommt man selten in die Hand. Weitere gereifte Flaschen findest du unter Whisky, kräftigere Vertreter im Stork-Club-Sortiment aus dem Spreewald, und die gesamte Auswahl steht unter Spirituosen. Alle Achtung.