Barcelona Brands bringt Bio-Cava aus dem Penedès ins Glas
Barcelona Brands ist ein katalanisches Getränkehaus, das 2014 von den Belgiern Christopher Heirwegh und Christel Weemaes gegründet wurde. Bekannt ist es für den biozertifizierten ¡Hola! Cava im gestreiften Flaschenkleid, dazu kommen ein alkoholfreier Schaumwein und der augenzwinkernde Glühwein The ugly.
Barcelona Brands steht für katalanischen Schaumwein in Bio-Qualität, verpackt in einem Design, das man nach dem ersten Blick wiedererkennt. Das Haus sitzt in Sant Pere de Ribes im Garraf, gut vierzig Kilometer südwestlich von Barcelona, zwischen Küstengebirge und Mittelmeer. Vier Flaschen aus diesem Sortiment findest du bei uns, alle vegan, die Cavas biozertifiziert.
Zwei Belgier, ein Umzug, ein Cava
Christopher Heirwegh und Christel Weemaes kamen aus Belgien nach Katalonien, weil sie näher an Natur, Küche und mediterranem Rhythmus leben wollten, und gründeten 2014 ihre eigene Firma.
Christel hatte bis dahin im Bankwesen gearbeitet, Christopher brachte den unternehmerischen Kopf mit. Was fehlte, war eine Bodega, und die haben sie bis heute nicht. Statt einen Betrieb zu kaufen, bauten die beiden etwas anderes auf: feste Beziehungen zu Winzern im Penedès, ein klares Bild davon, wie ihr Cava schmecken soll, und ein Design, das im Regal auffällt.
„Wir fangen beim Genießer an und arbeiten uns von dort zurück", erklärt Christopher die Arbeitsweise des Hauses. Das ist ungewöhnlich für die Weinwelt, in der sonst der Weinberg am Anfang steht und der Trinkende ganz am Ende. Heute arbeiten rund zehn Menschen für die Marke, und die Trauben verarbeitet nach Angaben des Hauses der spanische Winzer Joan Soler.
Der Name führt ein wenig in die Irre, und das ist Absicht. Barcelona steht auf der Flasche, weil die Stadt für Lebensgefühl steht, gearbeitet wird aber im Garraf, jener Küstenregion um Sitges und Vilanova, wo die Berge steil zum Meer hin abfallen. Von dort ist es näher zu den Rebzeilen des Penedès als zur Rambla.
Zwei Cavas, ein Alkoholfreier, ein Glühwein
Vier Flaschen aus dem Sortiment haben wir im Programm, und sie decken zusammen fast jede Gelegenheit ab, zu der man ein Glas erhebt.
Im Zentrum steht der Cava Hola Brut aus Parellada, Macabeo und Xarel·lo: trocken, mit grünem Apfel und Mandel, siebzehn Monate auf der Hefe. Daneben der Cava Hola Brut Rosé, bei dem Pinot Noir Farbe und Beerenfrucht einbringt, cremiger und offener als sein weißer Bruder. Beide sind nach traditioneller Methode in der Flasche vergoren, beide biozertifiziert, beide vegan.
Wer ohne Alkohol anstoßen möchte, greift zum Hola Sparkling 0,0% aus reinem Macabeo, entalkoholisiert und mit Traubenmost aufgefüllt. Und im Winter kommt The ugly Glühwein dazu, ein fertig gewürzter Roter auf Tempranillo-Basis, abgefüllt in einer Flasche, deren Etikett einen scheußlichen Weihnachtspullover imitiert.
Fruchtig, festlich, unkompliziert ziehen sich die vier durch das Jahr. Im Ausland führt das Haus noch mehr: eine Sangria namens Lola Mola, die Linie Mediterráneo, sogar einen Gin. Bei uns steht das Prickelnde im Vordergrund, denn dafür ist die Marke gemacht.
Verträge statt Weinberge, seit 2016 ohne Chemie
Barcelona Brands besitzt keine eigenen Weinberge und will auch keine besitzen. Stattdessen binden Christopher und Christel ausgewählte Winzer im Penedès über langfristige Verträge an sich.
Das klingt nach weniger Romantik, ist aber die ehrlichere Konstruktion. Wer über Jahre dieselben Parzellen begleitet, kennt sie besser als jemand, der die Ernte auf dem freien Markt einkauft, und der Winzer wiederum kann planen. Ausgesucht werden vor allem hoch gelegene Lagen bis auf siebenhundert Meter, wo die Nächte kühl bleiben. Das erhält die Säure und macht weniger Sulfite nötig.
Seit 2016 wächst in diesen Reihen nichts mehr unter Chemie. Gelesen wird von Hand in den kühlen Stunden vor dem Morgen, damit die Trauben auf dem Weg zur Presse nicht oxidieren. Die Bio-Zertifizierung führt der Consell Català de la Producció Agrària Ecològica, die katalanische Kontrollbehörde, unter der Nummer ES-ECO-019 CT.
Gekeltert und versektet wird bei einem Partnerbetrieb, denn eine eigene Kellerei betreibt das Haus nicht. Das ist im Cava-Gebiet nicht ungewöhnlich und sagt nichts über die Qualität, wohl aber etwas über die Rollenverteilung: Barcelona Brands entwickelt Marken und Rezepturen, das Handwerk der zweiten Gärung liegt bei Fachleuten mit Kellerei.
Was die drei katalanischen Sorten dabei beitragen, lässt sich gut auseinanderhalten. Parellada wächst am höchsten und bringt Frische, Macabeo steht tiefer und sorgt für Rundheit, Xarel·lo liefert Struktur und die kräftigsten Aromen. Erst zusammen ergeben sie das, was einen Cava vom Prosecco unterscheidet.
Die Herkunftsbezeichnung Cava schreibt mindestens neun Monate Reife auf der Hefe vor. Der Hola Brut bekommt mit siebzehn Monaten fast die doppelte Zeit, und genau daher rührt jene feine, lang anhaltende Perlage, die im Glas stehen bleibt, statt nach zwei Minuten zu verpuffen.
Gold beim Mundus Vini für den Rosé
Beim Mundus Vini Spring Tasting 2021 holte der ¡Hola! Cava Brut Pink im Jahrgang 2018 eine Goldmedaille.
Der Mundus Vini ist einer der großen internationalen Weinwettbewerbe, ausgerichtet vom Meininger Verlag, verkostet wird blind von Fachjurys. Für ein Haus dieser Größe, ohne eigene Bodega und ohne jahrhundertealten Namen, ist so eine Medaille eine ordentliche Ansage.
Andere Auszeichnungen kursieren im Handel, ließen sich aber nicht bis zur ausrichtenden Stelle zurückverfolgen. Wir nennen deshalb nur diese eine, statt eine lange Liste anzuhängen, für die niemand geradesteht.
Das Flaschenkleid trägt Barcelonas Gehweg
Die Streifen und Blüten auf den Hola-Flaschen sind kein Dekor, sondern ein Zitat. Sie zeigen den Panot, die Gehwegplatte, die halb Barcelona pflastert.
Die Firma Escofet bot solche Zementfliesen ab 1891 an, 1906 schrieb die Stadt Barcelona die Pflasterung ihrer Bürgersteige aus, und aus achtzehn eingereichten Entwürfen blieben am Ende fünf übrig. Einer davon zeigt jene vierblättrige Blüte, die heute jeder Barcelona-Besucher unter den Füßen hat, ohne sie je bewusst anzusehen. Bis 2010 lagen rund fünf Millionen Quadratmeter davon in der Stadt.
Wem so eine Flasche in die Hand gedrückt wird, hält also ein Stück Stadtmöblierung im Arm. Wer die Blume entworfen hat, weiß man übrigens nicht mehr genau: Lange galt der Architekt Josep Puig i Cadafalch als Urheber, doch diese Zuschreibung wurde 2018 entkräftet. Die berühmteste Fliese Barcelonas ist anonym.
Womit du am besten anfängst
Für den Einstieg ist der Cava Hola Brut die richtige Flasche, weil er zeigt, was das Haus kann, und weil er zu fast allem passt.
Probier ihn zu Salzigem, zu Anchovis, zu Marcona Mandeln, zu jungem Käse. Steht dagegen etwas Süßes oder Zartes auf dem Tisch, Garnelen etwa oder eine Schale Beeren, greif zum Rosé. Und wenn in der Runde jemand nicht mitrinken möchte, löst der Sparkling 0,0% das Problem, ohne dass jemand mit Saft in der Ecke steht.
Magst du katalanische Genüsse, dann schau auch bei den Marlonas aus dem Penedès vorbei, karamellisierte Mandeln aus derselben Ecke, oder bei Blanxart aus Barcelona, die dort seit 1954 Schokolade herstellen. Zum Cava passen beide ausgezeichnet. Alle prickelnden Nachbarn findest du bei Prosecco und Cava.
Fang mit einer Flasche an und stell sie kalt. Alles Weitere ergibt sich am Tisch.