Jardins, alkoholfreie Aperitifs aus der französischen Touraine
Jardins ist eine französische Marke für alkoholfreie Aperitifs, 2022 von Alix Besnier und Henri Volpilière gegründet. Hergestellt wird in der Touraine, aus Bio-Zutaten und ohne raffinierten Zucker. Entalkoholisiert wird nichts – die Rezepturen entstehen von Grund auf aus Aufgüssen, Säften und Extrakten.
Jardins baut alkoholfreie Aperitifs, die ohne Alkohol auskommen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Vier Aperitif-Konzentrate und drei trinkfertige Sprudel-Sorten stehen im Sortiment, alle bio-zertifiziert unter FR-BIO-09, alle gesüßt mit Traubenmost statt mit Zucker. Der Name bedeutet Gärten, und genau daher kommen die Zutaten: Früchte, Kräuter und Blüten.
2022, ein Dry January und eine Idee
Alix Besnier und Henri Volpilière kannten sich über ihre gemeinsame Begeisterung für Gastronomie und Botanik, als ihnen auffiel, was auf gut gedeckten Tischen fehlte.
„Bei einem Dry January habe ich gemerkt, dass die Alternativen meist zu süß oder zu betulich waren", erzählt Alix über den Anfang. Über Essen werde viel geredet, über gute Getränke selten – und wer keinen Alkohol trinken wollte, landete beim Saft oder beim Mineralwasser.
2022 gründeten die beiden Jardins mit zwei Rezepturen, dem herben Suspendus und dem blumigen Fleuris. Ein Jahr später kamen die Bulles de Jardins dazu, die prickelnde Linie, und danach die fruchtigen Sorten d'Eden und Solaires. Aus einer Idee wurden in drei Jahren sieben Getränke.
Der Anspruch war von Anfang an ein anderer als bei den meisten alkoholfreien Alternativen. Nicht der Verzicht sollte im Vordergrund stehen, sondern das, was im Glas passiert – ein Getränk, auf das man stolz ist, wenn man es Gästen hinstellt. Das Unternehmen sitzt in Paris, die Produktion liegt gut zwei Autostunden südwestlich davon.
Vier Aperitifs und drei prickelnde Flaschen
Das Sortiment teilt sich in zwei Gruppen: alkoholfreie Aperitifs als Konzentrat, die du mit Tonic oder Sprudel aufgießt, und trinkfertige Sorten, die direkt ins Glas kommen.
Bei den Konzentraten steht der Suspendus mit Bitterorange und Rosmarin für die herbe Richtung, kräuterig und trocken. Der Fleuris mit Holunderblüte und Bergamotte ist die helle Antwort darauf, blumig und zitrisch. Der d'Eden mit Feige und roten Beeren ist der dunkelste, mit Tonkabohne, Hibiskus und fermentierten Feigenblättern. Und der Solaires mit Ingwer und Aprikose bringt Schärfe mit, abgerundet von Mango und einer Prise Pfeffer.
Alle vier gibt es in 700 Millilitern für rund 20 Gläser und in 200 Millilitern für 5 bis 6 Drinks. Das kleine Format ist zum Probieren gedacht, für unterwegs und zum Verschenken – dafür gibt es außerdem die Geschenkbox mit Suspendus und Fleuris.
Die Bulles de Jardins sind die zweite Gruppe: Rose mit Ingwer, Bergamotte mit Rosmarin und weiße Traube mit Walnuss. Sie werden nicht gemischt, sondern gekühlt geöffnet und eingeschenkt. Mit 2,5 Gramm Zucker auf 100 Milliliter liegen sie bei einem Drittel der Konzentrate.
Der Unterschied ist bauartbedingt. Ein Konzentrat muss Süße und Intensität mitbringen, weil später zwei Drittel Tonic dazukommen; ein trinkfertiges Getränk braucht beides nicht. Deshalb liegen die Bulles bei 8,3 bis 13,1 Kilokalorien auf 100 Milliliter, die Konzentrate bei 29,4 bis 46. Wer alkoholfreie Aperitifs sucht, die auch am Werktagabend leicht bleiben, ist bei der prickelnden Linie besser aufgehoben.
Aufgegossen statt entalkoholisiert
Der wichtigste Unterschied zu vielen alkoholfreien Getränken steckt im Verfahren. Jardins entzieht keinem fertigen Wein den Alkohol, sondern setzt jede Rezeptur von Grund auf neu zusammen.
Entalkoholisieren ist der schnellere Weg, kostet aber Aroma und viel Energie. Alix und Henri bauen stattdessen aus Aufgüssen, Säften und Extrakten – Assemblage nennt sich das, und es bedeutet, dass jede Zutat einzeln abgeschmeckt wird, bis das Verhältnis stimmt. „Wir suchen die Länge am Gaumen, ein Gefühl, welches sich beim Trinken noch verändert", sagt Alix über diese Arbeit.
Gearbeitet wird in der Touraine, südlich von Tours, gemeinsam mit einer kleinen Werkstatt, die sich auf Bio-Säfte spezialisiert hat. Die Basis liefern Äpfel der Vergers de la Manse in Sepmes, einem Obsthof in Sichtweite der Halle. An einem Produktionstag laufen dort rund 2.000 Liter durch.
Raffinierter Zucker steht auf keiner Zutatenliste. Gesüßt wird ausschließlich mit Traubenmost, und was an Süße bleibt, stammt aus den Früchten selbst – zwischen 2,5 und 7,5 Gramm auf 100 Milliliter, je nach Sorte.
Dass die Äpfel aus der Nachbarschaft kommen, ist mehr als ein Herkunftsargument. Weil der Saft die Basis stellt und nicht bloß ein Streckmittel ist, schmeckt man ihn in den fertigen Getränken heraus: eine runde, leicht mostige Frucht, welche die Aufgüsse trägt. Ein Aroma aus dem Fläschchen könnte das nicht leisten.
Alle Sorten tragen die Bio-Kontrollnummer FR-BIO-09 und stammen aus französischer Landwirtschaft. Zusatzstoffe kommen keine hinein; Johannisbrotkernmehl bindet die Konzentrate, damit sich nichts absetzt, und das war es dann auch schon.
Zweimal Prix Épicures, einmal Fernsehen
Der Suspendus wurde beim französischen Prix Épicures mit Silber ausgezeichnet, dem Preis für Feinkost, der in Frankreich einiges Gewicht hat. Der Fleuris folgte mit Bronze.
Le Monde, Le Figaro, Libération und Vogue haben über die Marke berichtet, und die Produktion war in der französischen Sendung „Silence ça pousse!" zu sehen. Für eine Marke, die 2022 bei null anfing, ist das eine bemerkenswerte Aufmerksamkeit.
Dass ausgerechnet in Frankreich alkoholfreie Aperitifs diese Resonanz finden, sagt etwas über die Richtung, in die sich der Apéro bewegt. Das Ritual bleibt – das Glas in der Hand, die Stunde vor dem Essen, die Oliven auf dem Tisch. Nur was im Glas ist, wird neu verhandelt.
„Es ist eine große Genugtuung, eine Idee, welche vor drei Jahren entstand, Wirklichkeit werden zu sehen", sagt Alix dazu. Alle Achtung.
Womit du am besten anfängst
Wenn du Aperol, Campari oder einen Vermouth vermisst, fang beim Suspendus an – er ist der einzige im Sortiment, der wirklich bitter ist, und er kommt dem klassischen Spritz am nächsten.
Suchst du etwas für einen Sommernachmittag im Garten, ist der Fleuris die bessere Wahl: blumig, leicht, und mit Mineralwasser statt Tonic auch als Karaffe für die ganze Runde geeignet. Zum Anstoßen an Silvester oder Weihnachten greif zum Traube Walnuss, welcher einem trockenen Weißwein am nächsten kommt und auf dem Tisch nicht wie ein Kompromiss aussieht.
Zum Essen spielen die Sorten unterschiedlich mit. Der d'Eden hält zu Salami, gereiftem Hartkäse und Wildgerichten mit, was man alkoholfreien Aperitifs selten zutraut. Der Solaires ist der Begleiter für scharf Gewürztes, für Curry, Sommerrollen oder Garnelen mit Chili. Und der Bergamotte Rosmarin gehört zu allem Maritimen: zu Austern, zu Sardinen, zu gegrilltem Fisch mit Zitrone.
Alle Konzentrate werden im Verhältnis ein Drittel zu zwei Dritteln aufgegossen und bei 6 bis 8 Grad serviert. Geöffnet halten sie sich 2 Monate im Kühlschrank, die prickelnden Flaschen trinkst du am besten am selben Abend aus.
Wer sich nicht entscheiden mag, nimmt zwei kleine Flaschen und probiert sie nebeneinander. Weitere alkoholfreie Feinheiten findest du bei Copenhagen Sparkling Tea und in unserer Auswahl alkoholfreier Getränke. Probier dich durch.
Bio Kontrollnummer FR-BIO-09 – Französische Landwirtschaft