Kakaotrüffel aus Göteborg von La Praline Scandinavia
La Praline Scandinavia ist eine schwedische Trüffelmanufaktur, 2001 als Schokoladenladen in Göteborg gegründet und seit 2011 mit eigener Produktion. Das Haus stellt kakaobestäubtes Trüffelkonfekt in 16 Sorten her und liefert von Borås aus nach halb Nordeuropa. Keine Tafelschokolade, keine Pralinen mit harter Schale, nur diese eine Spezialität.
La Praline Scandinavia, auf der Schachtel als La Praline Gothenburg beschriftet, hat sich auf eine einzige Sache festgelegt: weiche Trüffelkugeln, dick in fettarmem Kakaopulver gewälzt, wie man sie in Frankreich seit jeher zu Weihnachten reicht. In Schweden kannte die kaum jemand, bis ein Franzose und seine Frau anfingen, sie selbst zu machen. Drei Worte stehen bis heute über der Firmenphilosophie: Qualität, Umwelt, lokale Produktion.
2001 ein Schokoladenladen im Viertel Linné
Katharina und Jean-Claude Eggel eröffneten 2001 im Göteborger Stadtteil Linné einen kleinen Laden und verkauften darin die feine Schokolade Europas.
Es war ein guter Moment dafür. Lasse Hallströms Film „Chocolat“ lief gerade in den Kinos, und plötzlich interessierte sich halb Schweden für dunkle Schokolade. Aus dem Laden wurde ein Großhandel, aus dem Großhandel eine eigene Marke. Sie führte die Zahlen, er trieb die Ausweitung voran, die Bremse und das Gaspedal, wie Katharina die Rollenverteilung der beiden einmal genannt hat.
Dazwischen liegen Jahre, die in keiner Firmengeschichte auftauchen: Messen, Musterkartons, Gespräche mit Einkäufern, die schwedische Trüffel erst einmal für eine französische Angelegenheit hielten. Aus dem Ladentisch in Linné wurde ein Vertrieb, der irgendwann mehr Ware bewegte, als ein Ladenlokal je verkaufen könnte. Erst dann kam die Frage auf, warum man das, was man am besten verkauft, nicht auch selbst herstellt.
Zehn Jahre lang ließen sie die Trüffel dafür noch fremd fertigen. 2011 war Schluss damit: Auf der Werftinsel Ringön mitten in Göteborg richteten sie ihre erste eigene Produktion ein, so wie Jean-Claude es sich lange vorgestellt hatte. 2019 zog der Betrieb in eine neu gebaute Halle im Gewerbegebiet Viared bei Borås, gut hundert Kilometer landeinwärts.
Sechzehn Sorten und sieben Schachtel-Kollektionen
Das Sortiment umfasst 16 Trüffelsorten plus 3 Weihnachtssorten mit Apfel-Zimt, Ingwer und Pfefferkuchen, verpackt in sieben unterschiedlichen Schachtel-Kollektionen.
Die Bandbreite reicht von brav bis eigenwillig: Naturell, Meersalz und Mokka auf der einen Seite, Lakritz, Chili und Kardamom auf der anderen. Dazwischen Himbeere, Blaubeere, Passionsfrucht, Pistazie, Haselnuss, Orange, Pfefferminze, Kakaosplitter und Knäck, benannt nach dem schwedischen Weihnachtstoffee. Fruchtig, salzig, würzig, so sortiert sich die Reihe.
Kardamom und Lakritz sind dabei keine Spielerei, sondern schwedische Grundnahrungsmittel. Kardamom steckt in jedem Zimtschneckenteig des Landes, Lakritz gehört in Skandinavien so selbstverständlich zum Süßwarenregal wie bei uns die Fruchtgummis. Wer wissen will, wie ein Land schmeckt, muss nur schauen, welche Sorten es in seine Pralinenschachteln packt.
Die Schachteln heißen Art, Black, Millennium, Swedish, White, Wood und Tin Collection und unterscheiden sich in Papier, Farbe und Format, nicht im Inhalt. In Deutschland läuft die 200-Gramm-Linie unter dem Namen Fancy Truffles. Rund zwanzig Kugeln liegen darin, jede etwas anders geraten.
Alles unter einem Dach in Viared
Gekocht, gerollt, gepudert wird alles am selben Ort. La Praline nennt die eigene Fertigung ausdrücklich als Umweltargument, weil sie Transportwege spart.
Das ist bei Trüffelkonfekt keine Nebensache. Die Masse kommt ohne Kakaobutter aus; ihren Schmelz holt sie sich aus ungehärtetem Kokos- und Palmkernfett, das bereits bei rund 25 Grad weich wird. Je kürzer der Weg vom Kessel zum Regal, desto weniger Gelegenheit hat die Kugel, unterwegs zu leiden. Deshalb reist die Ware gekühlt, und deshalb gehört die Schachtel im Sommer in den Kühlschrank.
Dass keine Kakaobutter darin steckt, ist übrigens keine Sparmaßnahme, sondern die Gattung selbst. Was La Praline herstellt, heißt in Frankreich truffes fantaisie und wird dort seit Generationen genauso gemacht: Kakaopulver, Zucker, Pflanzenfett, Milchbestandteile, zu Kugeln gedreht und im Puder gewälzt. Der Unterschied zur Ganache-Trüffel ist nicht schlechter oder besser, er ist ein anderer Ansatz an dieselbe Idee.
Der Reiz liegt genau im Schmelzpunkt. Kakaobutter braucht rund 34 Grad, bis sie nachgibt, Kokosfett schon 25. Eine Ganache-Trüffel muss man kauen, eine truffe fantaisie zerfällt von selbst. Dafür verzeiht sie keine Sommerhitze im Paketwagen, und genau deshalb steht bei uns der Hinweis auf die Kühlung an jedem der Produkte.
Auf dem Etikett der Naturell-Sorte steht „zertifiziertes Palmkernfett“. Welches Siegel dahintersteht, sagt die Firmenseite nicht, und wir behaupten deshalb auch nichts. Was belegt ist: Molke und Butter für die Karamellstücke stammen aus schwedischer Milch, die Produktion läuft in Schweden, und das Unternehmen führt beides als Teil seiner Umweltrechnung.
IP seit 2014, FSSC 22000 seit 2020
Preise oder Wettbewerbsmedaillen führt La Praline keine. Statt Auszeichnungen weist das Haus Zertifikate vor, und die sagen über eine Süßwarenfabrik einiges aus.
2014 ließ sich der Betrieb nach dem schwedischen IP-Standard zertifizieren, 2020 folgte FSSC 22000, seit dem 1. Februar 2021 in der Version 5. Dahinter steckt ein Regelwerk für Lebensmittelsicherheit, das jede Charge bis zur einzelnen Zutat rückverfolgbar machen muss. Für einen Hersteller, der überwiegend an den Handel liefert, ist das die Eintrittskarte ins Regal.
IP steht für integrierte Produktion, ein schwedisches Branchenregelwerk mit unabhängiger Kontrolle, das Hygiene, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit vorschreibt. FSSC 22000 ist die internationale Stufe darüber und wird von großen Handelsketten regelrecht verlangt. Beides ist unspektakulär und genau deswegen aussagekräftig: Es zeigt, dass hier jemand seine Prozesse aufgeschrieben hat, bevor jemand danach fragte.
Geliefert wird heute nach Norwegen, Dänemark, Finnland, Island, Deutschland, Österreich und Großbritannien. Das Motto der Firmenseite passt dazu: „a supplier you can trust“. 2022 verkauften Katharina und Jean-Claude ihr Lebenswerk an die börsennotierte schwedische Humble Group, weil die eigenen Kinder den Betrieb nicht übernehmen wollten. Produziert wird weiterhin in Viared.
Die Ur-Sorte, die salzige und die karamellige
Aus dem schwedischen Sortiment führen wir die Sorte, mit der alles anfing, und die beiden salzigen Abzweigungen davon.
Die Schokotrüffel Natur sind die Ur-Rezeptur, auf der alle anderen aufbauen: nichts als Kakaopuder, Schmelz und eine leise Vanillenote. Die Schokotrüffel Seasalt tragen 0,6 % feines Meersalz mitten in der Masse, unauffällig und trotzdem entscheidend. Die Schokotrüffel Salted Caramel bringen 3 % gekochte Karamellstücke aus Sahne und gesalzener Butter mit, die zwischen den Zähnen knacken, während der Trüffel ringsum längst zergangen ist.
Eine Schachtel macht Freude, wenn unangekündigt Gäste kommen und der Kaffee schon läuft. Wer es noch nordischer mag, stellt schwedisches Lakritz von Lakritsfabriken daneben; wer die französische Urform sucht, aus der die schwedische Idee stammt, findet sie bei Mathez aus dem Anjou, wo die Truffes Fantaisie seit 1934 gerollt werden.
Als Mitbringsel taugen die Schachteln besonders, weil sie nichts erklären müssen. Kein Kakaoanteil, den man einordnen muss, keine Ursprungsplantage, keine Frage nach dem Röstgrad. Ein Deckel auf, ein Kakaostaub auf den Fingern, fertig. Das ist eine seltene Eigenschaft in einem Sortiment, in dem sonst fast alles eine Fußnote verdient.
Das gesamte schwedische Sortiment und unsere übrigen Schokoladen und Konfekte stehen ein Klick weiter. Und falls du dich fragst, warum diese Kugeln so schnell verschwinden: Sie sind klein, sie zergehen sofort, und niemand isst nur eine.