Lurisia italienische Limonade aus dem Piemont
Lurisia macht seit Jahrzehnten italienische Limonaden aus Zitrusfrüchten mit Herkunft: Chinotto aus dem Slow-Food-Presidio Savona, Zitronen von der Amalfiküste, Blutorangen vom Ätna. Das Wasser dafür kommt aus einer eigenen Quelle hoch am Monte Pigna, in den Ligurischen Alpen – die aber im Piemont liegen.
Lurisia steht für italienische Limonade, welche ihre Zutaten beim Namen nennt. Der Ort Lurisia gehört zur Gemeinde Roccaforte Mondovì in der Provinz Cuneo, gut siebzig Kilometer südlich von Turin. Dass die Marke trotzdem gern von den Ligurischen Alpen spricht, hat einen guten Grund – der Gebirgszug heißt so, das Dorf liegt aber im Piemont.
„Aus dem Herzen der Ligurischen Alpen“, schreibt Lurisia über sein Wasser – und genau von dieser Formulierung rührt das Missverständnis, welches sich durch halbe Sortimentslisten zieht.
Fünf Sorten führen wir davon, jede in der kleinen 275-Milliliter-Flasche: Chinotto, Gazzosa, zwei Aranciate und das Acqua Tonica. Bitterwürzig, zitrusfrisch, spritzig – dazwischen liegt die ganze Spannweite.
Ein Steinbrucharbeiter und eine Wasserader um 1900
Die Geschichte beginnt mit einem Missgeschick: Um 1900 schlug ein Arbeiter im Steinbruch Nivolano eine Wasserader an, während er Steinplatten aus dem Fels löste.
Diese Platten heißen auf Piemontesisch „lose“, und von ihnen hat der Ort vermutlich seinen Namen – über „losera“, den Steinbruch, wurde aus dem Bach „Loresa“ später Lurisia. Ganz gesichert ist die Herleitung nicht, gängig aber schon. Der Mann mit der Laterne, welcher bis heute auf jedem Etikett steht, ist genau dieser Steinbrucharbeiter.
Der Monte Pigna darüber misst 1.768 Meter, die Quellen liegen auf über 1.300 Metern und tragen die Namen Santa Barbara und Garbarino. Das Wasser ist außergewöhnlich mineralarm, mit rund 36 Milligramm Rückstand je Liter gehört es zu den leichtesten Italiens.
Für eine Limonade ist das keine Nebensache. Weiches Wasser mit wenig Eigengeschmack lässt die Frucht durch, hartes legt sich davor. Wer schon einmal denselben Sirup mit zwei verschiedenen Wässern angerührt hat, weiß, wie groß der Unterschied ausfällt.
Marie Curie kam 1918 wegen der Steine
Am 16. August 1918 stand Marie Curie in Lurisia, im Auftrag der italienischen Regierung und begleitet von dem Chemiker Camillo Porlezza.
Sie kam nicht wegen des Wassers, sondern wegen des Gesteins: Fünf Jahre zuvor hatte Professor Lincio am Nivolano größere Vorkommen von Autunit gefunden, einem uranhaltigen Mineral, und Italien suchte damals Radium für die Feldlazarette des Ersten Weltkriegs. Curie maß vor Ort, nahm Proben mit nach Paris und machte den Ort damit über Nacht bekannt.
Aus dieser Bekanntheit wurde ein Kurort. 1940 gründeten der Arzt Pietro Cignolini und die beiden ligurischen Unternehmer David Garbarino und Piero Sciaccaluga das erste Thermalbad – und im selben Jahr begann die Abfüllung. Eine der beiden Quellen trägt bis heute den Namen Garbarino.
Das Bad gibt es weiterhin, als eigenständiges Haus mit zwei natürlichen Dampfgrotten im Berg. Es gehört nicht zur Getränkeseite und wurde auch nie mitverkauft, wenn die Marke den Besitzer wechselte. Wer nach Roccaforte Mondovì fährt, findet also beides: den Kurort und die Abfüllung, gut zwei Autostunden von Turin und knapp eine vom Mittelmeer.
Fünf Sorten von hell bis bitterschwarz
Das Sortiment folgt keiner Aromenlogik, sondern fünf verschiedenen Zitrusfrüchten – und jede bringt ihre Herkunft mit.
Die Gazzosa ist die hellste, gemacht mit Saft und Aufguss der Sfusato-Zitrone von den Terrassen der Amalfiküste, nach einem Rezept aus den 1950er Jahren. Die Aranciata Rossa ist die fruchtigste, mit zwanzig Prozent Saft sizilianischer Blutorangen der Sorten Moro, Tarocco und Sanguinello.
Herber wird es bei der Aranciata Amara, welche vom Extrakt der apulischen Melangolo-Pomeranze lebt, und beim Chinotto, der dunklen Klassikerin mit dem karamellisierten Zucker. Am weitesten geht das Acqua Tonica: zwölf Prozent Zitronensaft, Chinin und der höchste Chinotto-Anteil im ganzen Sortiment.
Zwei Sorten tragen Chinin, die Aranciata Amara und das Acqua Tonica – beide sind deshalb auf dem Etikett entsprechend gekennzeichnet. Und zwei der Rezepte gehen auf die 1950er Jahre zurück, als Gazzosa und Chinotto in Italien noch in jeder Bar standen und niemand darüber nachdachte, ob eine Limonade eine Herkunft haben müsse.
Die Fruchtanteile stehen bei Lurisia ausgeschrieben auf dem Etikett: zwanzig Prozent bei den beiden Aranciate, zwölf Prozent Zitronensaft im Tonic, dazu die Chinotto- und Zitronenextrakte mit ihren Nachkommastellen. Man muss nicht rechnen, um zu wissen, was man trinkt – und man sieht es auch, wenn die Aranciata Rossa im Glas einen feinen Trubstoff absetzt.
Chinotto aus Savona seit 2004 unter Schutz
Der interessanteste Rohstoff im Sortiment ist die Chinotto, eine myrtenblättrige Zitrusart, welche seit dem 16. Jahrhundert an der ligurischen Riviera di Ponente wächst.
Ein Seefahrer soll sie aus China nach Savona gebracht haben, wo sie bis in die 1920er Jahre einen ganzen Küstenstrich ernährte. Dann kamen Frostwinter und billigere Importe. Was blieb, waren wenige hundert Pflanzen zwischen Varazze und Pietra Ligure – bis Slow Food die Chinotto di Savona 2004 zum Presidio erklärte und den Anbau wieder aufbaute.
Aus genau diesem Presidio bezieht Lurisia den Aufguss für zwei Sorten: 0,03 Prozent stecken in der Chinotto, 0,8 Prozent im Acqua Tonica. Geerntet wird von Mitte September bis Ende November, von Hand, weil die dünne Schale keine Maschine verträgt.
Die Chinotto ist keine Bitterorange im üblichen Sinn, sondern eine eigene Zitrusart mit schmalen, myrtenähnlichen Blättern und Früchten, kaum größer als ein Tischtennisball. Roh isst sie niemand. Ihr ganzer Wert liegt im Aroma von Schale und Blüte, und ohne Abnehmer für dieses Aroma gäbe es die Bäume vermutlich nicht mehr.
Eine Limonade, welche eine fast verschwundene Kulturpflanze im Anbau hält – das gefällt uns. Und es ist der Grund, warum wir die Chinotto führen, obwohl sie nicht jedem beim ersten Schluck gefällt.
Eine Flasche im Museum und ein Tipp zum Anfangen
Anerkennung gab es für Lurisia bislang vor allem für Gestaltung: Die von Sottsass Associati entworfene Wasserflasche „Bolle & Stille“ gewann 2009 den World Beverage Innovation Award als beste Glasflasche und erhielt 2011 eine ehrenvolle Erwähnung beim Compasso d'Oro ADI, Italiens ältestem Designpreis.
Die Flasche zitiert übrigens genau jene Laterne des Steinbrucharbeiters, welche seit den Anfängen auf den Etiketten steht. Über hundert Jahre nach dem Fund im Nivolano trägt eine Designikone also immer noch die Lampe eines Mannes, dessen Namen niemand aufgeschrieben hat.
Für die Limonaden selbst ist uns keine Prämierung bekannt – was wenig über sie sagt, denn Limonaden werden selten verkostet und noch seltener ausgezeichnet.
Wenn du anfangen möchtest: Nimm die Gazzosa, wenn du Zitrone magst, und die Aranciata Rossa, wenn Besuch mit Kindern kommt. Fürs Aperitivo-Tablett gehören die Aranciata Amara und das Acqua Tonica nebeneinander, das eine fruchtig-herb, das andere klar bitter. Wer es ernst meint, greift zum Chinotto – der teilt die Meinungen, und genau das macht ihn interessant. Probier dich durch, am besten quer.
Mehr in dieser Richtung findest du bei Galvanina aus der Romagna, in unserem Limonaden Sortiment und unter den italienischen Spezialitäten. Salute.