Brennerei Ehringhausen brennt Bio-Korn in Werne
Die Brennerei Ehringhausen ist ein Familienbetrieb in Werne in Nordrhein-Westfalen. Seit 1962 wird hier Korn gebrannt, seit rund dreißig Jahren aus Dinkel und Getreide aus ökologischem Anbau. Korn kann mehr, lautet der Satz über dem Haus.
Die Brennerei Ehringhausen gehört zu den wenigen Kornbrennereien, die aus einer als bieder verschrienen Spirituose etwas gemacht haben, das in Verkostungen vorn landet. Korn kann mehr, so Theres und Georg Glitz-Ehringhausen über ihr Handwerk, und die Geschwister führen den Betrieb seit 2012 in dritter Generation. Gebrannt wird bio-zertifiziert und CO2-neutral, mit Getreide aus der Region.
Ein Hof, ein Eichenwald und eine Idee
Der Hof taucht bereits 1237 als Haus Edrinchhausen in einer Urkunde auf, damals im Besitz eines Ritters namens Hellmich. Die Brennerei kam erst 1962 dazu.
Gegründet haben sie Heinrich Glitz und Anneliese Ehringhausen, und in den ersten Jahrzehnten lief es, wie es in Westfalen üblich war: Korn aus Weizen, ordentlich gemacht, ohne großes Aufheben. Der Bruch kam rund dreißig Jahre später, als die Elterngeneration zwei Entscheidungen auf einmal traf.
Sie stellte die Rohstoffe auf ökologischen Anbau um und tauschte den Weizen gegen Dinkel. Beides zusammen war zu dieser Zeit ungewöhnlich, denn Bio galt im Spirituosenregal als Nische, und Dinkel bringt weniger Ertrag als Weizen. Genau diese Entscheidung prägt bis heute jede Flasche des Hauses.
Neu war der Dinkel auf dem Hof allerdings nicht. Der Ururgroßvater hatte ihn vor rund 130 Jahren als erster Bauer am Ort angebaut, lange bevor irgendjemand ihn wiederentdeckte. Was die Eltern taten, war also weniger Erfindung als Rückgriff.
Seit 2012 führen Theres und Georg den Betrieb. Traditionen weiterführen und zugleich neue Wege gehen, so beschreiben die Geschwister ihre Rolle, und das ist bei einem Haus dieser Größe keine Floskel, sondern die tägliche Abwägung zwischen dem, was funktioniert, und dem, was man noch nie probiert hat.
Zwei Namensgeber aus dem Familienbuch
Zwei Kollektionen der Brennerei Ehringhausen tragen die Namen von Vorfahren, und beide Geschichten stehen im Familienbuch.
Der Ururgroßvater Heinrich war offenbar eine Erscheinung. Er probierte gern Neues, hatte einen außerordentlich guten Geschmack und schmiss sich so gern in Schale, dass die Ehringhauser ihn den kleinen Lord nannten. Er pflanzte den ersten Dinkel und dazu einen ganzen Eichenwald, weil ihm Eichen einfach gefielen.
Dinkel und Eiche, damit sind die beiden Zutaten der Holzfasskollektion beisammen, die heute seinen Spitznamen trägt. Der kleine Lord heißt die Reihe, und der Kreis schließt sich zwischen einem Bauern des 19. Jahrhunderts und einer Abfüllung von heute.
Die zweite Geschichte gehört Josef Ehringhausen, einem Urgroßonkel und gelernten Apotheker. Als die Familie den alten Speicher entrümpelte, fand sie seine Herbarien wieder, fein säuberlich beschriftet, mit heimischen Kräutern neben südeuropäischen und exotischen Funden von seinen Reisen.
Wer so viel Wissen über Pflanzen hinterlässt, bekommt eine eigene Kollektion. JOS. GARDEN heißt sie, und sie versammelt alles, was mit Kräutern, Zesten und Botanicals arbeitet. Der Weltenbummler und sein Garten, so nennt das Haus die Reihe selbst.
Klar, fassgereift, fruchtig
Alles beginnt beim Korn, und von dort aus verzweigt sich das Sortiment in mehrere Richtungen.
Am Anfang steht der klare Dinkelkorn mit 32 % vol, malzig, samtig, unaufgeregt. Korn ist dabei strenger reglementiert, als die meisten vermuten: Er darf allein aus Getreide entstehen, und zusetzen darf man ihm nichts, weder Zucker noch Farbe noch Aroma. Was im Glas steht, kommt aus dem Getreide und aus der Arbeit am Kessel.
Aus derselben Basis entstehen die fassgereiften Brände der Reihe Der kleine Lord, jeder mit eigener Fasshandschrift. Sherry und Mocha ergeben Schokolade und Rosine, Rum und amerikanische Weißeiche bringen Toffee und Süßholz, das Islay-Whiskyfass steuert torfigen Rauch bei. Weitere Flaschen dieser Art stehen in unserer Korn-Auswahl.
Wie weit das Haus dabei geht, zeigt eine Sonderabfüllung wie der Kornbrand mit dem Koch Frank Buchholz. Nur 500 Flaschen, sieben Jahre ausgebaut, nacheinander in Sherry-, Portwein-, Bourbon-, Kirschbrand- und Rumfass. Das ist keine Serie mehr, sondern eine Fingerübung in Geduld.
Die Geiste bilden den nächsten Zweig. Für sie werden Früchte in hauseigenem Korn angesetzt und anschließend gebrannt, denn Schlehen oder Zitrusfrüchte tragen zu wenig Eigenzucker, um vergoren zu werden. Wilde Schlehen gehören dazu, ebenso die Schalen von 5.000 handgeschälten sizilianischen Zitronen.
Dazu kommen die Liköre der Reihe Classic Ladies, vom Eier Creme Likör nach Familienrezept bis zu den Fruchtlikören mit Erdbeere oder Kirsche. Unter dem Namen JOS. GARDEN führt das Haus außerdem Gin in mehreren Ausbaustufen, einen Kräuterlikör und die Spritz-Reihe, die es alkoholfrei ebenso gibt wie mit 15 und 24 % vol. Und weil in Werne ohnehin Getreide gebrannt wird, reift dort inzwischen auch Whisky.
Bei uns findest du daraus eine Auswahl, vom Korn über die Geiste und Liköre bis zum alkoholfreien Zero Spritz. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster.
Gold, Korn des Jahres und Spirit of the Year
Für ein Haus dieser Größe ist die Auszeichnungsliste bemerkenswert lang, und vor allem zieht sie sich über viele Jahre.
Der kleine Lord N° 03 sammelte viermal Gold, verteilt von 2017 bis 2022. Der N° 02 wurde 2017 Klare Spirituose des Jahres National und holte 2020 und 2022 jeweils Gold. Der N° 04 ist 2018 Korn des Jahres geworden und 2020 Spirit of the Year.
Auch außerhalb der Fasskollektion wird es nicht dünner. Der Dinkelkorn trägt Gold aus den Jahren 2017 und 2022, die holzfassgelagerte Abfüllung Gold und Silber, der Schlehengeist zweimal Gold und einmal Silber. Der Jos. Garden Kräuterlikör kam 2021 mit Gold vom World-Spirits Award zurück.
Diese Beständigkeit ist das eigentliche Argument. Eine Goldmedaille kann ein guter Jahrgang sein, vier über sechs Jahre sind ein Verfahren, das jemand im Griff hat. Und bei einem Brand, der jahrelang im Fass liegt, entscheidet sich die Qualität lange vor der Abfüllung. Wer 2022 Gold holt, hat spätestens 2018 alles richtig gemacht. Alle Achtung.
Nachhaltig gebrannt und handverpackt
Produziert wird CO2-neutral, und die Sorgfalt hört bei der Flasche nicht auf.
Das Haus achtet auf umweltfreundliche Papiere, Farben und Verpackungen, und jede Bestellung wird von Hand verpackt und ein letztes Mal kontrolliert. Manche Brände liegen dabei über Jahre im Fass, ehe sie überhaupt abgefüllt werden. Zeit ist in dieser Brennerei ein Rohstoff wie Getreide auch.
Drei Grundsätze stellt die Brennerei Ehringhausen ihren Geisten voran, durchnummeriert von N° 01 bis N° 03: eine gute Basis aus eigenem Kornbrand, Sorgfalt bei den Früchten und Hingabe. Für gute Ware nimmt das Haus dabei auch weite Wege in Kauf, wie Georg es für die Geiste beschreibt.
Wer in der Nähe wohnt, kann den Hofladen in Werne besuchen, geöffnet mittwochs bis freitags nachmittags und samstags vormittags. Probier dich dort einmal quer durch das Sortiment, dann wird schnell klar, warum aus einem einzigen Korn eine ganze Sammlung geworden ist.
Und falls du bisher dachtest, Korn sei das, was man eiskalt und schnell hinunterstürzt: Mach hier eine Flasche auf und lass dir Zeit.