Printenbäckerei Klein, Aachener Printen aus vier Generationen
Die Printenbäckerei Klein backt seit 1912 in der Aachener Franzstraße echte Aachener Printen, heute in vierter Generation unter Bäckermeister Andreas Klein. Harte Kräuterprinten und weiche, schokolierte Weichprinten, alles von Hand gefertigt – nach einem Familienrezept, das die g.g.A.-geschützte Aachener Spezialität seit über hundert Jahren hütet.
Die Printenbäckerei Klein ist ein Aachener Familienbetrieb, der seit 1912 nichts anderes macht als Printen – nach eigenen Angaben die einzige reine Printenbäckerei der Stadt. In der Franzstraße am Marschiertor, gleich hinter der Aachener Altstadt, entstehen die klassischen Kräuterprinten und die ganze Familie der weichen, schokolierten Weichprinten. Kein Fließband, keine Fremdmarke: Jede Printe wird hier von Hand gefertigt, und das genaue Gewürzrezept bleibt Familiensache.
1912, eine Bäckerei in der Franzstraße
1912 gründete Peter Klein seine Bäckerei in der Aachener Franzstraße. Zunächst war es eine ganz normale Brotbäckerei, doch Printen gehörten von Beginn an zum Haus, und mit der Zeit wurden sie zur Hauptsache. Was als Nebenzeile im Sortiment begann, wurde zum Namen, für den Klein heute in ganz Aachen bekannt ist – aus dem einen Laden von einst sind längst drei geworden.
Aus der einstigen Brotbäckerei wurde so die reine Printenbäckerei Klein. Vier Generationen später steht heute Urenkel Andreas Klein in der Backstube, wie Andreas Klein das Rezept seines Urgroßvaters weiterführt. Das Mengenverhältnis der Printengewürze hütet die Familie wie ein Geheimnis, wie Peter Klein es schon tat – aufgeschrieben ist es nirgends, es wandert mündlich von Generation zu Generation. Genau das unterscheidet eine Klein-Printe von einer beliebigen aus dem Supermarktregal.
Wer nach Aachen kommt, findet Klein an drei Adressen: das Stammhaus mit Backstube in der Franzstraße 91, dazu Läden in der Ursulinerstraße und der Krämerstraße. In der Franzstraße gibt es sogar ein kleines Printen-Museum, in dem du dir bei einer Führung ansehen kannst, wie aus Teig, Gewürz und Zeit eine echte Aachener Printe wird – ein Handwerk, das hier keine Geheimniskrämerei scheut, außer beim Gewürz.
Von harten Kräuterprinten bis weichen Schokoprinten
Das Sortiment der Printenbäckerei Klein teilt sich in zwei Welten: die harten, würzigen Kräuterprinten und die weichen, schokolierten Weichprinten. Würzig, knusprig, herzhaft schmeckt die eine Seite, zart und schokoladig die andere – derselbe Teig, zwei ganz verschiedene Wege. Dazwischen liegen die kleinen Konfektformen, die beide Welten in mundgerechten Happen zusammenbringen, sodass für jeden Geschmack und jeden Anlass etwas dabei ist.
Die harte Seite bilden die geschnittenen Kräuter-Schnitt-Printen und das Kräuterprinten-Konfekt in mundgerechten Happen – beide ganz ohne Schokolade, ganz ohne Fett im Teig. Die weiche Seite beginnt beim gemischten weichen Printenkonfekt, das kleine Weichprinten in Vollmilch-, Zartbitter- und weißer Schokolade versammelt, jede mit Mandeln.
Bei den einzeln überzogenen Weichprinten hast du die Wahl: Vollmilch-Mandel-Weichprinten mild und cremig mit Mandelsplittern, Schoko-Mandel-Weichprinten herb unter dunkler Kuvertüre, dazu die nussigen Schoko-Nuss-Weichprinten mit ganzen und gebrochenen Haselnüssen und ihre helle Schwester, die weißen Schoko-Nuss-Weichprinten mit Vanilleschokolade. Beim Hersteller reicht die Reihe noch weiter, bis zu reinen Schoko- und Vollmilch-Weichprinten ohne Nuss.
Drei Zucker, Pottasche und zwei Tage Geduld
Was eine echte Aachener Printe ausmacht, steckt im Teig – und der folgt bei Klein den alten Regeln, nicht der schnellen Fabrikrezeptur. Drei Dinge sind entscheidend: der Zucker, das Triebmittel und die Zeit. Alles drei kostet Geduld, und genau die nimmt sich das Haus – während anderswo Maschinen in Stunden schaffen, wofür Klein zwei Tage einplant.
Gesüßt wird mit drei Zuckern zugleich: Zuckersirup, Kandiszucker und brauner Zucker geben der Printe ihr dunkles, malziges Karamell. Getrieben wird ohne Hefe und ohne Backpulver, nur mit Pottasche und Soda, den traditionellen Triebmitteln. Zwei volle Tage ruht der Teig, ehe er in den rund 200 Grad heißen Ofen kommt – erst diese Geduld lässt die Gewürze aus Zimt, Anis, Nelke, Koriander und Kardamom durchziehen.
Die harten Kräuterprinten kommen danach ganz ohne Fett aus und bekommen einen hauchdünnen, glänzenden Überzug aus Kartoffelstärke; das macht sie knackig und wochenlang haltbar. Die Weichprinten dagegen ziehen nach dem Backen in einer eigenen Feuchtkammer Feuchtigkeit, bis der Teig geschmeidig ist, und werden erst dann von Hand mit Schokolade überzogen. Zwei Techniken, ein Teig – so entsteht aus derselben Grundmasse die ganze Bandbreite des Sortiments.
Aachener Printen g.g.A., ein geschützter Name
Aachener Printen sind kein beliebiger Name, sondern seit 1997 eine geschützte geografische Angabe (g.g.A.) der Europäischen Union. Nicht überall darf draufstehen, was hier drinsteckt – und das gibt dir beim Kauf eine echte Herkunftsgarantie. Anders als bei manchem Lebkuchen trägt die Aachener Printe ihre Region im Namen selbst, so wie es Champagner oder Parmaschinken tun.
Nur in Aachen und sechs Nachbarkommunen – Würselen, Baesweiler, Eschweiler, Alsdorf, Stolberg und Roetgen – dürfen echte Aachener Printen entstehen. Klein gehört seit 1993 zum Schutzverein Aachener Printen, der über diese Herkunft wacht. Der Name „Printe" selbst kommt vom Aufdrucken: Früher presste man den Teig in geschnitzte Holzmodel, die Bilder und Muster im Gebäck hinterließen.
Dass die Printe so hart und würzig wurde, hat mit der Geschichte zu tun. Als um 1800 zur Zeit der Kontinentalsperre der Honig knapp wurde, wichen die Aachener Bäcker auf Zuckersirup aus. Aus der Not wurde die Spezialität, die Klein bis heute pflegt – ein Stück Aachener Stadtgeschichte, das du schmecken kannst, sobald du in eine Printe beißt.
Zum Advent, zum Kaffee, zum Verschenken
Printen gehören in Aachen zum Advent wie der Dom auf den Platz – und sie sind weit mehr als ein Saisongebäck für die Weihnachtszeit. Zum Kaffee schmecken sie das ganze Jahr, und weil die harten Printen sich lange halten, begleiten sie dich oft von Nikolaus bis weit ins neue Jahr.
Zum Nachmittagskaffee kommen die harten Kräuterprinten auf den Tisch, zu einer Kanne Tee oder einem winterlichen Glögg passen die weichen Schokoprinten. In der Weihnachtsbäckerei sind die bunten Tütchen der Printenbäckerei Klein ein vertrauter Anblick, und als Gruß aus Aachen sind sie ein gern gesehenes Mitbringsel. Wer dunkle Schokolade zu herb findet, greift zu den weißen Sorten; wer es puristisch mag, bleibt bei der harten Kräuterprinte.
Zwischen hart und weich, herb und süß, Vollmilch und Zartbitter findet hier jeder seine Printe – ob zum eigenen Kaffee, als Nascherei für die Kinder oder als kleines Geschenk zum Fest. Über hundert Jahre Aachener Backkunst stecken in jedem Happen. So schmeckt Aachen.