Habanero

Die Habanero ist eine kleine, gerunzelte Chilischote der Art Capsicum chinense, die nach Aprikose und Zitrus duftet und zu den schärfsten Chilis überhaupt gehört.

Habaneromix von Erich Stekovics

Die Habanero ist eine kleine, gerunzelte Chilischote der Art Capsicum chinense, die nach Aprikose und Zitrus duftet und zu den schärfsten Chilis überhaupt gehört.

Genau dieser Duft führt in die Irre. Halte eine aufgeschnittene Schote an die Nase, und du riechst eher Obstkorb als Feuer. Die Schärfe kommt später, und sie kommt mit Anlauf: Sie setzt oft erst nach ein paar Sekunden ein, breitet sich langsam aus und klingt nur zögernd wieder ab. Wer das weiß, würzt mit Geduld statt mit Mut, und dann bringt diese Schote Frucht und Feuer zugleich in einen scharfen Topf.

Botanisch ist die Habanero eine Frucht, eine hohle, glockenförmige Beere mit Spitze, im Mittel 4,5 bis 6 Zentimeter lang. Unreif ist sie grün, reif je nach Sorte orange, rot, gelb, braun oder sogar weiß. Ihre Art stammt aus dem Amazonasbecken und wird in Südamerika seit mehr als 6.000 Jahren angebaut, und auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko ist sie bis heute so fest im Alltag verwurzelt wie anderswo das Salz auf dem Tisch.

Was heißt Habanero auf Deutsch?

Habanero heißt „aus Havanna“, die Schote ist also wörtlich die Havannaerin. Gemeint ist damit ein bestimmter Fruchttyp von der Halbinsel Yucatán und aus Belize. Auch der botanische Name beruht auf einem Irrtum: Der niederländische Arzt Nikolaus Joseph von Jacquin nannte die Art 1776 chinense, „aus China“, weil er glaubte, die Schoten kämen von dort. Die Habanero trägt also zwei Ortsnamen, und keiner führt in ihre Heimat am Amazonas.

Die Heimat ihres Namens hat Mexiko inzwischen amtlich gemacht. Seit 2010 schützt das mexikanische Institut für gewerbliches Eigentum, kurz IMPI, die Herkunftsbezeichnung „Chile Habanero de la Península de Yucatán“ für Schoten aus den drei Bundesstaaten Campeche, Quintana Roo und Yucatán, frisch, eingelegt, als Paste, getrocknet, gemahlen und als Sauce.

Wie scharf ist eine Habanero?

Sehr. Die Rutgers-Universität in New Jersey nennt 150.000 bis 350.000 Scoville-Einheiten; wie diese Skala misst, erklärt unser Eintrag zur Scoville-Skala. Die mexikanische Schutzurkunde gibt für grüne Früchte mehr als 104.650 Einheiten an, für vollreife mehr als 201.000. Daraus folgt ein einfacher Lehrsatz: Je reifer die Schote, desto mehr Feuer.

Innerhalb dieser Spanne streuen die Sorten weit. Erich Stekovics, der in Frauenkirchen im Burgenland Chilis zieht und einen „Atlas der erlesenen Chilis und Paprika“ veröffentlicht hat, beschreibt die leuchtend orange, fast quadratische Habanero Gambia Orange mit 300.000 Scoville als mittelmäßig scharf, gemessen an ihresgleichen. Die Sorte El Remo dagegen nennt er für eine Habanero ungewöhnlich mild, mit dem typischen Geschmack.

Den Grad der Schärfe kannst du in der Küche selbst steuern. Das Capsaicin sitzt überwiegend in den Samen und den hellen Scheidewänden, die Spitze der Schote trägt am wenigsten davon. Schneide die Schote längs auf und kratz das Innere mit einem Teelöffel heraus, dann bleibt viel Frucht und deutlich weniger Hitze. Beim Kauf frischer Schoten gilt: Die Haut soll glänzen, die Schote sich fest anfühlen.

Ist Habanero oder Jalapeno schärfer?

Die Habanero, und zwar mit großem Abstand. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt für Jalapeños 2.500 bis 8.000 Scoville-Einheiten an, die Rutgers-Universität rechnet die Habanero etwa 50-mal schärfer. Wer in einem Rezept eine Jalapeño durch eine Habanero ersetzt, nimmt deshalb nur ein kleines Stück davon, rührt um, wartet einen Moment und schmeckt erst dann ab.

Das Warten ist dabei der eigentliche Handgriff. Weil die Schärfe der Habanero verzögert einsetzt, täuscht der erste Löffel. Nachlegen kannst du immer, herausfischen kaum.

Kann man Habaneros roh essen?

Ja, frisch gehackt kommen sie in Salsa, getrocknet in Suppen, Eintöpfe und Pfannengerichte, am häufigsten aber in scharfe Saucen, gern zusammen mit Möhren und Zwiebeln. Stekovics nennt eine weiße Sorte, die Peruvian White, ausdrücklich für frische Salsas, Salatmarinaden, Suppen und Eintöpfe.

Zieh beim Schneiden dünne Handschuhe an und fass dir danach nicht ins Gesicht, denn die Augen reagieren auf jede Spur. Und falls ein Bissen doch zu viel war: Wasser hilft kaum, weil Capsaicin sich in Fett und Alkohol löst, in Wasser aber nicht. Ein Schluck Vollmilch oder ein Löffel Joghurt dämpfen die Hitze besser.

Frische Habaneros halten drei bis fünf Wochen, am liebsten bei 7 bis 10 Grad. Kälter vertragen sie schlecht und werden weich.

Wofür sich die Habanero lohnt

Ihr Platz ist dort, wo Frucht und Feuer zusammen etwas tun: in Mango-Salsa, in schwarzen Bohnen, in einer Marinade für Hähnchenflügel, in einem Curry. Für eine bloße Schärfe ohne Aroma genügt jedes einfache Chilipulver. Die Habanero nimmt man für ihren Duft.

Weil sich ihre Schärfe in Fett löst, gibst du sie am besten früh ins Öl oder in die Butter. Dort verteilt sie sich gleichmäßig über den ganzen Topf, statt später in einem einzigen Löffel zu warten.

Habanero zum Einrühren, Streuen und Dippen

Den Habaneromix von Erich Stekovics rührt der Burgenländer aus orangen Habaneros vom Neusiedler See, roh gerieben und kalt mit Meersalz und Rapsöl vermengt; das Salz macht 19 Prozent der Paste aus, also salzt du den Topf erst am Ende. Die Spitze eines Teelöffels genügt für einen Topf, ein Punkt so groß wie eine Erbse für ein Spiegelei. Aus seinem Chili-Sortiment stammen auch die anderen Chili-Spezialitäten von Stekovics.

Die Chili Habanero vom Alten Gewürzamt ist fein gemahlene Habanero aus Mexiko, sonst nichts, vermahlen und abgefüllt in Klingenberg am Main. Sie gehört in die Hot Sauce, in die Mango-Salsa und überall dorthin, wo du die Schärfe genau dosieren willst.

Und wer die Habanero lieber zum Dippen mag: Für die Habanero Mango Aioli von Stonewall Kitchen aus Maine werden die Schoten erst in Olivenöl ausgezogen, und dieses Öl kommt in eine Mayonnaise mit Mango. Ein Klecks neben den Pommes, ein Strich auf dem Burger am Grillabend, und am Tisch sucht niemand mehr nach dem Ketchup.

Quellen

Zuletzt geprüft am 14.10.2026


Von Kerstin Uhlenbusch
4 Min. Lesezeit

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