Dessert Eier von Sawade mit vier Füllungen unter drei Schokoladen
Dessert Eier von Sawade sind acht gefüllte Schokoladeneier aus Berlin, welche in einer flachen Schale nebeneinanderliegen. Keine lose Handvoll für das Osternest, sondern eine geordnete Reihe aus Vollmilch, Weiß und Edelbitter, jedes Ei einzeln von Hand dekoriert.
Dessert Eier sind gefüllte Ostereier von Sawade in Berlin-Reinickendorf, acht Stück in vier Sorten und zusammen 160 g schwer. Sie liegen in zwei Reihen in einer schmalen Schale, jedes in seiner eigenen Papiermanschette, und darüber spannt sich ein Cellophanmantel, den ein dunkelblaues Siegel des Hauses zusammenhält. Aufgeschnitten wird hier nichts, gehoben wird jedes Ei einzeln aus seinem Fach.
Karamell zieht, das Nougat bleibt liegen
Über jedes Ei hat jemand mit der Papiertüte eine Schleife gezogen, mal dunkel auf Vollmilch, mal hell auf Weiß, und bei zweien liegen kleine Punkte wie Weidenkätzchen auf der Wölbung. Unter dieser dünnen Decke gibt die Füllung sofort nach.
Das Vanille-Karamell zieht beim ersten Bissen kurz an den Zähnen, ehe es sich löst und milchig süß wird. Der Sahnenougat dagegen bleibt liegen und schmilzt langsam weg, während das Nussnougat die geröstete Haselnuss mitbringt. Karamell macht den Anfang und überlässt dem buttrigen Vanille-Trüffel das letzte Wort.
Weil drei Schokoladen im Spiel sind, verschiebt sich der Ton von Ei zu Ei. Die weiße Hülle süßt und lässt der Füllung den Vortritt, die Edelbitterhülle nimmt Süße heraus und schiebt den Kakao nach vorn, und dazwischen hält die Vollmilch die Mitte. Wer der Reihe nach durchgeht, bekommt vier Nachtische hintereinander serviert.
Jede Linie kommt aus einer Papiertüte
Die Hohlkörper schleudert das Haus selbst, füllt sie nach dem Erkalten und verschließt sie mit einem Boden aus derselben Schokolade.
Erst danach kommt der Dekor, und der wird nicht gedruckt, sondern aufdressiert. Eine Hand führt die Tüte in einem Zug über die Wölbung, denn jedes Absetzen sieht man hinterher als Klecks. Deshalb gleicht keine Schleife der anderen, und wer die acht Eier nebeneinanderlegt, findet acht verschiedene Handschriften auf der Schokolade.
Milch steckt in jeder dieser Füllungen, Haselnuss in mindestens einer, und Spuren von Schalenfrüchten und Soja lassen sich in einer Manufaktur mit offenen Kesseln nicht ausschließen. Wer darauf achten muss, liest lieber genau nach, bevor die Schale auf den Ostertisch kommt.
Als Georg das Haus übernahm
Ladislaus Ziemkiewicz starb im Februar 1933 mit siebenundsiebzig Jahren, gut fünfzig Jahre nachdem er sein erstes Geschäft Unter den Linden eröffnet hatte.
Georg Hanemann führte die Confiserie danach durch die schwierigsten Jahrzehnte ihrer Geschichte und gab sie 1952 in andere Hände weiter. Geblieben ist davon die Arbeitsweise, welche sich in geschleudert, gefüllt und dekoriert zusammenfassen lässt. Schon um 1900 verzeichnen die alten Auftragsbücher kandierte Früchte für Prinz August Wilhelm, bestellt bei genau diesem Haus.
Heute steht die älteste Pralinenmanufaktur Berlins in der Wittestraße 26e in Reinickendorf, wo rund 75 Menschen arbeiten und acht Filialen in der Stadt beliefert werden. Bei Sawade wird bewusst auf künstliche Aromen oder Konservierungsstoffe sowie auf Palmöl verzichtet, und das war in dieser Manufaktur nie anders.
Diese Schale gehört zwischen Kaffeekanne und Osterstrauß, wo mehrere Hände gleichzeitig hineingreifen können. Im kühlen Vorratsschrank hält sich der Glanz auf der Schokolade, während Heizungsluft ihn binnen weniger Tage stumpf werden lässt.
Wer lieber gewickelte Eier ins Nest legt, findet sie bei den gemischten Schokoeiern, und in der Geschenkdose Ostereier steht dieselbe Idee in Kornblumenblau. Was das Haus sonst für das Frühjahr macht, zeigt Sawade Ostern, den Rest des Sortiments Sawade Berlin. Die Schale ist flach, der Vorrat leider auch.